Willkommen auf dem Abschnitt von Toul nach Langres
Donnerstag, 12. Mai 2005
In den vergangenen Monaten verhielten sich meine Gedanken zu dem bevorstehenden Wegabschnitt wie Eisenspäne zu einem
Magneten. Ich war einzig darauf bedacht, mein Vorhaben an weiteren detaillierten Informationen über den Jakobsweg
auszurichten. Offensichtlich hatte ich dazugelernt, denn diesmal überstand ich die Zeit bis zur Abfahrt nach Trier
ohne Bauchgrimmen. Es ging mir gut, und ich freute mich auf den Aufenthalt im Kloster St. Matthias.
Um 17.00 Uhr kam Diana im Kloster an.
Freitag, 13. Mai 2005
Bruder Matthias verabschiedete uns mit der Bitte, für ihn und seine Brüder zu beten. Das überraschte mich:
Ein Mann, der das Gebet in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat, bat uns, für ihn zu beten. Einige Zeit
später erinnerte ich mich, einmal gelesen zu haben, dass das Gebet für andere der tiefere Sinn der testamentarischen
Verfügung für Pilger ist.
Es war schön und bequem, die Route vom August 2004, Trier - Toul, mit dem Auto zu fahren. In Pagny-sur-Moselle
wollten wir Curé Jacques besuchen. Mittlerweile hatte er in Pompey eine Pfarrstelle übernommen. Da die neue Pfarrstelle
auf dem Weg nach Toul lag, besuchten wir in dort.
In Toul gingen wir zuerst zur Kathedrale Saint-Étienne. Tatsächlich! Sie war offen. Im Innern jedoch fanden wir sie
verschleiert, eine einzige Baustelle. Die Broschüren-Verkäuferin sprach fließend Deutsch und gab uns
den Tipp, im Kreuzgang an einer der Türen zu klingeln und dort um einen Pilgerstempel zu bitten. Was uns dann auch
gelang. Zu meinem Leidwesen war der Stempel nur ein einfacher Firmenstempel.
Ein Hotel war auch schnell gefunden. Wir plauderten noch ein bisschen, und damit war der Anreisetag absolviert.
Samstag, 14. Mai 2005
Auf das petit déjeuner welches uns erst um 8.00 Uhr angeboten wurde, verzichteten wir. Das war uns zu spät.
Als Frühstücksersatz und Wegzehrung kaufte ich in der Boulangerie nebenan zwei Croissants und ein Baguette.
Am frühen Morgen, als die blasse Sonne eben erst schüchterne Strahlen über den Ort zu werfen begann und
die Stadt langsam erwachte, startete ich in die dritter Etappe meines Pilgerweges.
Am Ortsende von Toul stellten wir fest, dass wir kurz nach Verlassen des Hotels in eine falsche Straße eingebogen
waren und den Ort Choloy-Ménillot so nicht auf geradem Wege erreichen konnten. Während wir noch überlegten,
wie wir wieder auf den richtigen Weg kämen, half uns ein freundlicher Franzose, indem er uns anbot, ihm zu folgen:
"Komm mit" sagte er. - Vor 60 Jahren und ein paar Monaten hätte ein "Komm mit" wohl wo anders geendet als auf dem
richtigen Weg ...
Nach etwa sieben Kilometern, erreichten wir Domgermain, wo wir die erste Pause einlegten. Auf der "Route Vin" kamen wir
anfangs gut voran. 20 Minuten später erreichten wir Mont-le-Vignoble. Dort gab es ein Bushäuschen, das uns wie
auch schon an früheren Haltestellen als schützender Unterstand diente. Gerade als wir wieder aufbrechen wollten,
kam eine Frau zur Bushaltestelle und sprach uns in unserer Muttersprache an. Freundlich fragte sie uns, ob wir etwas
bräuchten. "Ja, mit etwas Wasser wäre uns geholfen", antwortete ich. Sie lud uns in ihr Haus ein und versorgte
uns mit Wasser und einem Glas Leberpastete. Während wir unsere Wasserschläuche füllten, fragte Diana
unsere Wohltäterin, ob sie eine Übernachtungsmöglichkeit in unserer Zielregion Autreville kenne. Madame
gab uns die Telefonnummer einer Bekannten in Harmonville, unweit von unserem Zielort.
Kurz hinter Bagneux erreichten wir die alte Römerstraße, die uns bis Langres hätte führen können,
wenn wir noch in der Zeit leben würden, als die Römer noch ihre Versorgungswege instand hielten. Also:
schnurstracks noch 13 Kilometer Richtung Autreville.
Um 16.00 Uhr erreichten wir den Ort. Unterwegs hatten wir mal wieder die Regenkleidung überziehen müssen. Die
zwei Stunden, die uns bis zum Beziehen unseres Nachtlagers noch blieben, wollten wir mit einem Kaffee überbrücken.
"Gott-sei-Dank" war die Bar nicht geöffnet, denn in dem Moment erreichte uns ein Wanderer und fragte, ob wir
Jakobspilger seien. - oui monsieur! Das auf Französisch begonnene Fragen und Antworten war nicht schwierig, aber ein
Pfingstwunder hätte gut getan. Und siehe da, der Fremde sprach auf einmal deutsch. Er erzählte uns, dass er Belgier
sei und aus Antwerpen komme. Dort sei er am 8. Mai losgegangen und beabsichtige, die gesamte Strecke bis Santiago de Compostela
in einem Durchgang zu gehen, da er im August wieder zurück sein wolle, um am Weltjugendtag in Köln teilzunehmen.
Das Überraschende war: Er pilgerte für andere. Ich hatte geglaubt, dass das Berufspilgern nach
dem Mittelalter ausgestorben sei. Aber wie sagten die alten Lateiner: "Quod quis per alium." - was jemand durch einen anderen
tut das hat er selbst getan. Er wolle noch die 19 Kilometer bis Neufchâteau weitergehen und verabschiedete sich von uns.
Den letzten Kilometer bis Harmonville zu gehen, war für mich ziemlich schmerzhaft. Durch das lange Stehen und die
kühle Temperatur hatte ich einen Wadenkrampf bekommen und humpelte, steif wie ein Golem, zum Haus von Carole, unserer
Herbergsmutter. Carole kochte erst mal eine Schokolade für Diana und für mich einen Kaffee. Zum Abendessen
gab es: Salat aus Tomaten, Gurken, Möhren, ein Bœuf á la mode und Käse zum Abschluss. Mir wurde
auch ein Glas Rotwein aus eigenem Anbau dazu gereicht. Bald darauf legten wir uns zum Schlafen auf das Kanapee.
Sonntag, 15. Mai 2005
Das Frühstück war typisch französisch: Kaffee, Brioche und Kuchen. Dann auch landestypisch die Verabschiedung:
Wangenküsschen rechts und links. Wir kamen erst um 8.45 Uhr los.
Nach zirka einer Stunde erreichten wir wieder die Römerstraße. Kurz vor 11.00 Uhr, in der Nähe von Martigny-les-Gerbonvaux,
sahen wir in der Ferne ein Gebäude, das sich im Näherkommen als Kuhstall herausstellte. Wir stiegen über den
Zaun und richteten uns den Umständen entsprechend ein, um ein zweites Frühstück einzunehmen. Neugierig
hangelte sich Diana auf den Dachboden hinauf und meinte, dass das auch ein guter Schlafplatz hätte sein können.
Bis zur nächsten Ortschaft St. Elophe war es nicht mehr weit. An der verschlossenen Kirche machten wir eine halbstündige
Pause ... Auf einer Bank liegend, war ich ein wenig eingenickt. Dann zogen wir weiter in Richtung unseres Tagesziels Neufchâteau.
Vor uns lagen noch sechs Kilometer Landstraße. Der stetig bergauf verlaufenden Straße mussten wir ein wenig Tribut
zollen. Wir legten eine weitere kleine Verschnaufpause ein, aßen Powerriegel und teilten uns einen von Carole mitgegebenen
Apfel. Wir bekamen sogar wieder Luft, um ein paar Pfingstlieder zu singen. Kurz nach unserem Aufbruch sahen wir die ersten
Häuser von Neufchâteau. Das beschleunigte zwar unseren Schritt, aber bis zum Stadtkern, wo sich normalerweise
die Kathedrale befindet, war es noch weit. Nach einer sich lang hinziehenden Steigung sahen wir St. Nicola und St. Christoph,
die beiden Kirchen in der Altstadt. St. Nicola war die prächtigere von beiden. Leider war sie genauso verschlossen wie St.
Christoph. Wir quartierten uns im "Le Rialto" ein. Nach einem 16-Euro-Menü neigte sich der zweite Tag meiner dritten Etappe
seinem Ende zu.
Montag, 16. Mai 2005
Um 7.00 Uhr gingen wir los - wieder ohne Frühstück, aber mit zwei Croissants und einem Baguette. Die Landstraße
bis Pompierre war schnurgerade. Es nieselte. Nach einer halben Stunde wurde der Regen stärker, sodass ich meinen
Poncho überzog. Er schützte nicht nur mich, sondern auch meinen Rucksack gegen die Nässe. Bei dem etwas
komplizierten Unterfangen, den Poncho über den großen Rucksack zu ziehen, half Diana mir und schloss die Klettverschlüsse.
Ein Wagenschuppen am Wegrand lud unmissverständlich zu einer Pause ein, und da es für die Jahreszeit auch noch
lausig kalt war, konnte ich meine Partnerin ohne größere Schwierigkeiten davon überzeugen, wie gut uns
ein Glas Tee täte. Auf dem Esbitkocher, den ich immer dabei hatte, glückte die Zubereitung problemlos. Sie aß
ihre von zu Hause mitgenommenen Haferflocken und ich ein Stück Brot mit Leberpastete. Den einen Becher heißen
Tee teilten wir geschwisterlich. Kurz, nachdem wir, unsere Wanderung wieder aufgenommen hatten, hörte der Regen auf.
20 Minuten später erreichten wir den Ort Pompierre, der bereits im Jahre 577 erwähnt wurde. Das Portal der
heutigen St. Martins Kirche ist die Fassade der damals erbauten Kapelle. Die Reliefs im Tympanon sind noch sehr gut erhalten.
Bedauerlich, dass wir auch diese Kirche verschlossen fanden. Etwas enttäuscht gingen wir weiter bis Sommerécourt.
Ich war so müde, dass ich mich in einer nahe gelegenen Stall-Ruine hinlegte und sofort fest einschlief.
Gut ausgeschlafen ging es nach Graffigny-Chemin, dem eigentlichen Etappenziel, aber hier gab es keine Übernachtungsmöglichkeit.
Bis zu diesem Ort wäre jetzt wieder die Römerstraße unser Weg gewesen, aber wir entschlossen uns, in Vaudrecourt
rechts nach Bourmont abzubiegen, um eventuell dort ein Zimmer zu ergattern. Es ging zwar steil bergan, auf zirka 472 Meter,
aber dies war der kürzeste Weg. Die Realität sah etwas anders aus als das Kartenwerk: In diesem Bois de Bourmont
erkannte ich die Wege nicht so deutlich. So irrten wir mal rechts, mal runter, mal links gehend zwei Stunden durch
den Wald. Endlich: Bauwerke am Horizont. Schon ab dem Ortsrand, fragten wir nach einer Unterkunft. Jedes Mal bekamen wir
die gleiche Antwort: "das Hotel in St. Thiébault". Na prima! Dann nichts wie hin.
Kaum hatten wir die Schuhe ausgezogen, begann es stark zu regnen, dass ich fürchtete, das Wasser könne durch
die Mauerfugen gedrückt werden. Zwei Minuten später brach ein gewaltiges Gewitter los, sodass im ganzen Haus
der Strom ausfiel.
Das bei Kerzenlicht am Kaminfeuer eingenommene 16-Euro-Menü aus Salat, Steak, Käse und einer halben Flasche
Rotwein entschädigte uns hinreichend für die Strapazen des Tages.
Dienstag, 17. Mai 2005
Wir müssen vom gestrigen Tag ganz schön erschöpft gewesen sein, denn wir schliefen etwas länger als
sonst und frühstückten sogar. So kamen wir erst um 9.10 Uhr auf die Straße. Der gut begehbare Abschnitt,
bis nach Hacourt, verlief an einer Bahntrasse entlang.
An einem Waldrand, zirka 1,5 Kilometer nach Levécourt, gönnten wir uns eine halbstündige Pause.
Da sah ich, dass sich weit vor uns dunkle Regenwolken drohend am Himmel auftürmten, und wie es schien, regnete es
dort bereits. Ich hoffte, dass wir von dem Unwetter verschont blieben, aber der Himmel hatte kein Einsehen, der Regen
kam genau auf uns zu. Also rechtzeitig den Poncho überziehen, hieβ da die Devise! Ein großer Heuschober kam uns
gelegen, um im Trockenen ein wenig auszuruhen. Sobald der Regen aufgehört hatte, pilgerten wir weiter, denn das
Tagesziel lag noch weit entfernt.
Bis nach Meuvy stand uns ein gut begehbarer Feldweg und eine wärmende Sonne zur Verfügung. Was mich dazu anregte,
Wallfahrtslieder zu singen.
Mit einem Male durchzuckte mich eine undeutliche Erinnerung, blitzartig zurückkehrende Bilder, und das Geheimnis
dessen, was mich am Pilgern fasziniert, lag plötzlich offen vor mir.
1960 unternahm ich zum ersten Mal mit meinem Vater die Wallfahrt nach Bornhofen. Und genau das wiederholte sich
für mich hier vor Meuvy mit all den Gefühlen von damals. - So wurde für mich das Damals zum Heute.
In Meuvy angekommen, wurde uns der Weg durch einen Weidezaun abgeschnitten. Von hier an sollte wieder die Römerstraße
weiterführen, aber sie war nicht zu finden. So entschieden wir uns, wie schon so oft, erst mal in der Kirche
Pause zu machen. Auf dem angrenzenden Friedhof sahen wir ein Grab, auf dem bestimmt hundert Jakobsmuscheln lagen.
Nach einer halben Stunde brachen wir wieder auf: über die Landstraße D132 in Richtung Montigny-le-Roi. Bis Bassoncourt
konnte ich mit meiner Pilgertochter noch Schritt halten, von da an vergrößerte sich der Abstand. Sie achtete
darauf, die Entfernung nie zu groß werden zu lassen. In Lénizeul konnten wir erneut ein wenig in der
Kirche ausruhen. Ab jetzt tat mir wahrlich jeder Schritt weh. Diana eilte voraus. Um den Rhythmus zu halten, fing ich an,
meine Schritte zu zählen. So entstand in mir ein Takt, der mich wie befreit vorankommen ließ. Trotzdem konnte
ich das Mädchen nicht einholen. Kurz hinter dem Zwei-Häuser-Ort Damphal und fünf Kilometer vor unserem Ziel
sah ich, dass das letzte Auto eines Militärkonvois am Straßenrand stehen blieb und jemand im Straßengraben
lag. Mir schoss der Schreck in alle Glieder: War Diana etwas passiert? Auf fünf Meter herangekommen, sah ich sie
vergnügt daliegen. Sie hatte nur auf mich gewartet. Ab jetzt bleiben wir zusammen, lautete die Parole. Am Ortsrand
angekommen, ging uns die Bedeutung von "Wir befinden uns in der Oberstadt" auf. Aber auch diesen Aufstieg bewältigten wir.
Es war 19.15 Uhr: So lange waren wir noch nie unterwegs gewesen. Dafür hatten wir heute auch 32 km zurückgelegt.
Eigentlich waren wir hundemüde und wollten nur schlafen, aber die heiße Dusche weckte noch einmal die Lebensgeister,
sodass wir noch die Kraft aufbrachten, zum Essen hinunter ins Restaurant zu gehen. Diana aß eine Lasagne
mit Schnecken gefüllt, ich einen Salatteller mit einem Stück Pastete, so mild und so fein, dass sie mir auf
der Zunge zerschmolz. Der halbe Liter Rotwein beschleunigte wenig später mein Einschlafen.
Mittwoch, 18. Mai 2005
Wieder ohne Frühstück verließen wir um 8.00 Uhr das Hotel. Vom strahlend blauen Himmel schien die Sonne,
aber die Luft war kalt, dazu wehte mittelstarker Wind. Ich kaufte uns ein Baguette und wir begannen unseren Weg über
ellenlange Landstraßen fortzusetzen, die öde und wie fröstelnd unter dem kalten Morgenwind lagen. Der Wind
wirbelte leuchtende Grassamen gegen das blaue Opal der Luft - und uns tüchtig um die Ohren. Aber wir kamen zügig
voran, sodass wir bald Chauffourt mit seiner offenen Kirche erreichten.
So gut war wohl die Pause, in der Kirche, nicht. Wir waren ein wenig unkonzentriert und hatten die Abzweigung nach Dampierre
verpasst. Ich schlug vor, erst mal eine Pause einzulegen, bevor wir eine Entscheidung träfen.
"Vorschlag angenommen", kam prompt die Antwort. Ich streckte mich unter einem Baum aus, die Füße gegen den Baum
gestemmt und den Blick in den Zweigen verloren, die hoch oben im Winde schwankten. Die Erde roch nach warmem Gras, und
ich sog den Duft ein, lange und mit einem Gefühl der Glückseligkeit. Die Ruhezeit tat mir gut, trotz der
stark befahrenen Bundesstraße. Nun überlegten wir, ob wir 1,5 Kilometer zurückgehen oder dem Straßenschild
zwei Kilometer bis Neuilly-l'Evêque zum Réservoir de Charmes folgen sollten. Wir entschieden uns für
die zweite Variante, denn es ist immer demoralisierend, umkehren zu müssen.
Wir setzten unsere Wanderung fort, um von dieser Stelle wegzukommen, wo mir jeder Gedanke zur Wünschelrute wurde,
die verborgene Quellen der Freude und auch der Leiden erschlossen.
Bald erreichten wir den Stausee. Nach den vorangegangenen Strapazen lief sich der Uferweg sehr angenehm. Über den
See führt ein etwa 500 Meter langer Damm mit eingebauter Schleuse, auf dem wir den See überquerten. Die leichte
Steigung am anderen Ufer nahmen wir gelassen, denn die Straße führte durch einen Schatten spendenden Wald. Als
wir den höchsten Punkt erreicht hatten, erfasste mich erneut eine starke Müdigkeit. Ich blieb wieder einige Meter
hinter Diana zurück.
Erst als die ersten Häuser von Champigny-les-Langres zu sehen waren, ging es mir kurzfristig etwas besser. Kurzfristig
nur deswegen, weil ich etwas frustriert erkennen musste, dass unser Etappenziel mal wieder auf einem Berg lag. Der Weg
war gar nicht mehr so weit, wie es in der Landkarte aussah. Trotz meiner körperlichen Verfassung und obwohl mir das
Schwierigste noch bevorstand, konnte ich jetzt gut mithalten.
Jetzt galt es noch, ein Quartier für die Nacht zu finden. Was bot sich da besser an als das dem Bahnhof gegenüberliegende
Hotel? Wir bekamen ein großräumiges Zimmer für 17,60 Euro. Dusche und WC waren aber auf dem Gang.
Nach der üblichen Regenerierungszeit machten wir uns auf den beschwerlichen Aufstieg in die in fast 500 Meter
Höhe gelegene Altstadt mit ihren mächtigen begehbaren Stadtmauern, Zitadellen, herrschaftlichen Häusern,
Artillerietürmen und der alles überragenden Kathedrale St. Mammés. Das Pfarramt hatten wir schnell
ausgemacht, wollten wir doch noch einen Stempel von unserem Zielort haben, doch das Büro war leider geschlossen.
Dafür fanden wir die Kathedrale geöffnet. Wieder einmal genossen wir es, uns ganz alleine in einer Kirche aufzuhalten
während dieser Pilgerreise hatten wir uns daran gewöhnt, die einzigen Besucher in Gotteshäusern zu sein,
die für 100 bis 200 Menschen Platz geboten hätten. Hier jedoch, in diesem großen Haus Gottes mit einer Länge
von 91 Metern, fühlte ich mich winzig. Ein Dankgebet und das Anzünden einer Kerze ließen das Bedrückende
dieses Größenunterschieds aber schnell vergessen.
In einer Pizzeria besprachen wir unser weiteres Vorgehen und entschieden endgültig, am kommenden Morgen nach Hause
zufahren.
Donnerstag, 19. Mai 2005
Sehr früh stand Diana auf. Sie besorgte noch die Pilgerstempel von der Kathedrale. Dann ging alles sehr schnell:
Abschiedsfoto im Pixistudio und auf dem Bahnsteig, Einstieg in den Zug nach Culmont-Chalindrey, umsteigen in den Zug
nach Toul.
Dann ging es mit dem Auto Richtung Heimat. Um 16.48 Uhr erreichte ich in Mainz den Zug nach Bonn.
zurück zur Startseite oder gleich weiter zum nächsten Abschnitt Langres - Taizé